Chorfestival 2011 - Tag des Liedes




Singen macht Spaß und bietet jedem etwas

















Abschluss-Chorkonzert in Obernburg hätte mehr Besucher verdient gehabt.

Markus Heinrich umrahmte an der Orgel von St. Peter und Paul das Abschlusskonzert des Obernburger Chorfestivals am Sonntag stilvoll: Seine Eingangsimprovisation verbreitete eine Stimmung aus Vorfreude und Hoffnung, der festliche Abschluss verströmte Dankbarkeit und Jubel. Dazwischen gab es zwei Stunden lang Gesang aus dem Chorraum, der bewies, dass Gesang viel Spaß machen kann und die Gemeinschaft stärkt.




Es war ein kurzweiliges und anregendes Konzert, bei dem allerdings die Zahl der Sängerinnen und Sänger die der Zuhörer erkennbar überstieg. Die Soloauftritte deckten alle Stimmungsfacetten ab, vom expressiven "Hallelujah" der Eva Appel bis hin zum intensiven "Ave Mara Pain" der Nicola Ullmann. Bernhard Oberländer erregte bereits mit seinem glasklaren Ruf "Jesu ukkukanya" im Chorsatz von Alexander Estrange Aufmerksamkeit und glänzte auch bei den solistischen Auftritten - wobei es seine Partner nie leicht hatten, stimmlich neben ihm zu bestehen. Gefallen konnten solistisch auch Martina Denk, Petra Kläger, Andrea Echevarria und Rainer Denk.




Im Zentrum aber: die Auftritte der Chöre. Music-Point Obernburg, geleitet von Bernhard Oberländer, gab mit einer Mischung aus schwungvollen und innig-dynamischen Sätzen den Ton vor, der das Konzert beherrschte. Vor allem das "Siyahamba" bot differenzierten und wirkungsvollen Chorgesang. Beim "Männerquartett" Michelbach unter Leitung von Regina Wahl blieb nur eines unklar: der Name des Chors, in dem 14 Sänger vor allem bei den intensiven, ausdrucksvollen russischen Chorsätzen - ob aus der orthodoxen Liturgie oder bei Volksweisen - stimmlich und im Auftreten durch Harmonie und geschlossenen Ensembleklang überzeugten. Beim Solo konnte Peter Wahl mit seiner volltönenden, angenehmen Stimme gefallen.




Freude am Singen und viel Temperament verströmten die 28 Frauen und sechs Männer von "Voice of Pop" Stockheim, expressiv und schwungvoll geleitet von Iskra Voltcheva, als sie vier populäre und gefällige Sätze mit einigen solistischen Passagen interpretierten, vom eher leisen "Only Time" bis zum Ohrwurm "Oh happy Day". Ähnliche Ziele, schwungvoll zu unterhalten und Freude am Singen zu verbreiten, verfolgen auch die sieben Frauen von "Singfonia Obernburg" mit ihrer Leiterin Martina Denk. Bei "Haily Holy Queen" und "I will follow him" konnten sie mit den schönen Einzelstimmen und mit ihrem harmonischen Wechsel von Tempo und Dynamik überzeugen.




Feinschmecker anspruchsvoller Chormusik kamen am Ende des Konzerts voll auf ihre Kosten, als der gemischte Chor "The Generations" Johannesberg mit seinem engagierten Leiter Roland Josef Pfarr auftrat. Was die neun Frauen und die sieben Männer boten, wirkungsvoll unterstützt von einem ausgezeichneten Pianisten am Keyboard und dem hochkonzentrierten Leiter, war tatsächlich moderne Chormusik vom Feinsten. In anspruchsvollen Arrangements, bei denen nie auf platte, oberflächliche Wirkung, sondern stets auf ein differenziertes, innovatives Klangbild gesetzt wurde und das Keyboard weit mehr als "nur" Begleitung bot, dürfte der Chor so manchem Zuhörer eine ganz neue Sicht auf Webbers "Jesus Christ Superstar" geboten und diese Erfolgsmusik vom Schutt und Schwulst zahlloser Populärversionen befreit haben. Die Ausdrucksstärke dieser Musik, die dramaturgischen Momente des musikalisch erzählten Geschehens, das breite Stimmungsspektrum zwischen Verzweiflung und Hoffnung kam in den anspruchsvollen Arrangements glänzend zur Geltung - nicht zuletzt ein Verdienst des leistungsfähigen Chors und seines anspruchsvollen Leiters.




Ein gelungener Abschluss des Konzerts, das mehr Zuhörer verdient gehabt hätte: Alle Akteure verbreiteten gemeinsam ansteckende Freude am Singen, als sie schwungvoll das israelische Tanzlied "Kol Dodi" sangen und die "Stimme des Freundes ¨ber die Berge und Hügel" in die Herzen der Zuhörer dringen ließen.



Heinz Linduschka